Gedanken der Einsamkeit

Und dann explodiert ein Farbball vor meinen Augen und es ist mir unmöglich noch einen klaren Gedanken zu fassen. Es ist dieses eine, plötzliche, vollkommen unvorhersehbare und unbegründete Gefühl der Wut und des Alleinseins, der Einsamkeit in sich selbst!Es genügt diese Worte an die innere Leinwand meines Gehirn zu projezieren : Mit dir selbst bist du immer IMMER allein und niemand NIEMAND kann jemals JEMALS wirklich fühlen was du fühlst, sehen was du siehst und denken, was du denkst, und schon löst sich alles auf, zerfällt mal wieder zu Stücken und in meinem Kopf rast alles durcheinander.

Blau, kalt, Einsamkeit, der Himmel, weit, fern, Wellen Distanz und Freiheit,..... grün, Blätter regnen vor mir hinab, bilden eine weiche Decke auf dem Weg vor mir, geben mir einen Hauch von Sicherheit...gelb, Wärme, Licht, Kerzenschein,Sommer, Spaß, Lachen klingt an meine Ohren.... rot, Liebe, Lust, Energie, Wut, Duft, Lebendigkeit verwirbeln in mir, streiten, kämpfen, küssen und umgarnen sich füllen mich innerlich bis zum Rand hin auf, lassen mich fast platzen und geben mir das Gefühl von Fülle im Körper, hauchen mir Leben ein.

Sagen mir doch auch gleichzeitig: mich gibt es so nur in dir! Jedes einzelne Gefühl, jeder Gedanke in mir ist für mich, mit mir, durch mich, und wenn ich ihn ziehen lasse, dann findet er nirgendwo anders Halt, sondern verschwindet in die unendliche, tiefe Vergessenheit! Doch trotz all des Klammerns, Festhalten, Rettens meiner Selbst, fliesst alles dahin, ändert sich, geht verloren, findet neues und bildet neue Farben, die niemand sonst so kennt, nicht einmal ich selbst! Wenn ich eine Farbe sehe, woher weiß ich dann, das es diese Farbe ist? Sehe ich eine Farbe, oder sehe ich ein Gefühl, was ich mit ihr verbinde, sieht jemand anderes mein gelb als blau und mein blau als gelb, ist nicht auch mein grün eines anderen rot, mein rot eines anderen grün? Wenn ich ja sage, sagt dann nicht ein anderer nein? Niemand lebt wie ich, niemand denkt wie ich, niemand sieht wie ich,  wer bin dann ich? Wer bin ich nicht? Wer sind die anderen? Und wie viel sind sie ich?

Kann ich auch nur irgendetwas sagen was nicht mit mir zu tun hat, wenn ich keine Ahnung habe wie und was der Rest der Welt ist und wie viel anders sie sind als ich!

Antworten verweigern! Ist es ein Unterschied, auf eine Frage nichts zu sagen oder zwar eine meiner Meinung nach komplett sinvolle, für andere aber komplett sinnfreie Antwort zu geben. Und selbst wenn der andere glaubt zu verstehen, was du sagst, kann er verstehen was du meinst? Du kannst sagen was du sagst, aber was du mit dem gesagten meinst, dass muss der andere verstehen, aber wie kann man sich sicher sein, dass der andere verstanden hat, was du wirklich ganz genau tief in dir drin MEINST, wenn es keine Worte dafür gibt, wenn das gesagte ein Gefühl in dir auslöst, dass der andere nicht so fühlen kann. Jedes Wort aus meinem Mund ist mir einem Gefühl verbunden, einem anderen Gedanken vernetzt, aber die Botschaft ist doch nur ein Wort, das Wort kann für dich etwas komplett anderes bedeuten wie für deinen gegenüber, wenn er ein anderes Gefühl bekommt wie du!

Wie oft drückt Sprache Gedanken aus, aber wie oft wird das Gefühl, die diese Gedanken in deinem Inneren auslösen mit deutlich? Gedanken bekommen doch erst ihren Sinn, durch die Emotionen, die damit durch dich hindurchfliessen, versuchen wir nicht nur, in einer endlosen Schleife des Redens durch die Bildung von Sätzen, die Sinn ergeben Sinn in unser Ich zu bringen? So oft sage ich Dinge aus einem bestimmten Grund, weil sie etwas in mir zum brodeln bringen, mir einen ziehenden Knoten im Bauch verschaffen und aus mir hüpfen und aus meinem Mund ergeben sie Formen und Farben, Muster, komplexe Gebilde aus Schleifen die sich ineinander verweben, miteinander tanzen und die Welt umwickeln. Dann blicke ich in die Gesichter des anderen und enttäuscht muss ich feststellen, dass all die Formen, Farben, Muster und Schleifen an ihm vorbei geglitten sind unbemerkt von seinen Augen.

Vielleicht können sie sie gar nicht sehen. Vielleicht bleiben sie zum Großteil unsichtbar für alle, bis auf den, der sie gebildet hat. Vielleicht wird es auch mir nie möglich sein, die Welten, die ein andrer mit seiner Stimme malt zu erblicken. Vielleicht bleibt für immer lediglich der Weg, sich damit die eigenen Bilder zu spinnen, mit der leisen Hoffnung sie ähneln den wahren!

Es ist ein ewiges Kreisen um sich selbst. Ein Kreis aus Einsamkeit, ein Kreis aus Suchenden nach Verständnis ohne Chance sie zu finden. Wir alle sind uns selbst komplett ausgeliefert, vor allem können wir fliehen, allem dem Rücken kehren nur uns selbst müssen wir Tag für Tag ertragen unser Leben lang.Niemand kann uns je so nah kommen wie wir selbst, auch wenn wir dem anderen noch so viel anvertrauen, uns komplett offenbaren, es gibt so viel, dass findet keine Worte und keinen anderen Ausdruck, das bleibt ewiglich allein in uns, unmöglich jemals aus uns selbst hervorzubrechen, gefangen in der Hülle des eigenen Körpers!

Es sind Geheimnisse, die man nicht zu bewahren versuchen muss, Geheimnisse deren Bedeutung, würde man sie selbst mit Millionen und Milliarden Wörtern in die Welt hinaus schreien, keinem anderen jemals ersichtlich werden wird! Sie schwirren herum und betteln und flehen jede Sekunde endlich ausgesprochen, freigelassen zu werden, und so sehr ich mir wünsche sie loslassen zu können und sie in der Ferne davon fliegen zu sehen, sehe ich keine Lücke in der Hülle meines Körper, das ich als Tor für sie alle öffnen könnte um die in mir lebendig Begrabenen Wesen in die Welt, ins Leben zu entlassen.

Ganz manchmal, da schwemmen sie mit ein paar Tränen hinaus, als schillernde Lebenstautropfen, rinnen meine Wangen hinab und verdunsten im Windwirbel der Welt oder sie schleichen sich mit einem kleinen Lachen von meinen Lippen fliehen von mir und ziehen froh von dannen, hinterlassen in mir eine kurze und erleichternde Leere!

Wie viel wir als Menschen schon sehen, und wie viel trotzdem noch nicht! Wie viel mehr Leben es gibt als wir zu verstehen glauben, wenn wir vergleichen, was wir sehen könnten und was wir tatsächlich sehen, dann ist das ein Nichts!

Wie wir scheinen was wir schaun, ist nur ein Traum in einem Traum! Edgar Allan Poe

 

11.1.15 16:21

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen